Die Chuzpe des Herrn Zehetner

„Die Bilanz ist klar positiv“

Das ist die Headline eines Interviews im heutigen Format mit Dr. Zehetner in dem er generös Bilanz über das aus seiner Sicht „klar positive“ Jahr von Immofinanz und BUWOG zieht.

Selten haben Aktionäre so eine öffentlich vortegragene Chuzpe eines CEO gelesen. Diese Chuzpe des Herrn Zehetner schlägt sogar noch die Unsäglichkeit seines Sagers „Die BUWOG ist die Dividende“.

Wir wollen die „klar positive“ 2014-er-Bilanz des Herrn Zehetner noch einmal Revue passieren lassen:

– Die BUWOG sollte nach Abspaltung ihren Weg in den mDAX finden und deutsche Investoren anziehen – Dieses Ziel ist kolossal gescheitert. Die BUWOG fristet in Frankfurt ein Mauerblümchendasein und wird dort kaum gehandelt.

– Der BUWOG-Spin off sollte die Marktkapitalisierung von Immofinanz alt und BUWOG im Vergleich zur früheren Gesamt-Immofinanz heben – auch dieses Ziel ist kolossal gescheitert. Vor dem Spin-Off notierte die Immofinanz alt auf über 3,60 Euro. Heute notieren die Immofinanz neu und die 1/20 BUWOG kummuliert auf 2,80 Euro und damit unter dem Stand von 2010. Die Marktkapitalisierung ist innerhalb eines guten halbne Jahres um rund 600 Millionen (!) Euro gesunken!

– Die Immofinanz ist nun das zweite Quartal hintereinander in den roten Zahlen – und dass, obwohl die unbaren Wechselkurseffekte durch den gesunkenen Rubel das Ergebnis deutlich geschönt haben.

– Die Dividende, die man vor einer Woche in Investorenupdates noch mit 15-20 Cent pro Aktie angegeben hat, wackelt plötzlich bzw traut man sich nicht einmal mehr eine Guidance abgeben. (Zur Erinnerung: Bereits im Vorjahr gab es keine Dividende, lediglich das unsägliche „Die BUWOG ist die Dividende“)

Aus der Immofinanz wurde sehenden Auges mitten in der größten Russland-Krise ein hochspekulatives Osteuropa-Papier gemacht. Noch vor einem Jahr lag die Gewichtung der Buchwerte noch bei rund 50:50. Nun, nach BUWOG-Spin-Off und anderer Aktivitäten, beträgt der Osteuropa-Anteil der Immofinanz über 70 Prozent.

– Die operativen Kennzahlen sind allesamt im Minus oder stagnieren auf sehr niedrigem Niveau.

– Die Immobilienmaschine funktioniert nachweislich nicht, da Verkäufe nicht einmal  im Ansatz durch neue Developments ersetzt werden können.

Diese Liste dieser „klar positiven“ Bilanz ließe sich für einen aufmerksamen Leser diese Blog noch weiter fortsetzen. Das einzige, das – noch – zu funktionieren scheint, ist die PR-Nebelmaschine. Leider machen sich manche Medien, wie heute das FORMAT, zum Handlanger dieser PR-Nebelmaschine, da man es dem Herrn Zehetner durchgehen lässt, nur über die im Kurs gestiegene BUWOG zu jubilieren, ohne über die 20 Mal größere und im Gegenzug viel stärker gefallenene Immofinanz reden zu müssen. Unterm Strich bleibt in allen Belangen ein Dickes Minus und ein Drama für die Aktionäre unserer Immofinanz. Vor diesem Hintergrund von einer „klar positiven Bilanz“ zu sprechen, ist eine Chuzpe, die sich kaum überbieten lässt.