Der Russland-Rabatt – kurzsichtig und gefährlich!

Manch Aktionär der Immofinanz staunte nicht schlecht, als am Christtag eine Aussendung der Immofinanz über einen Rabatt für russische Mieter ins Haus flatterte.

http://www.immofinanz.com/de/presse/presseinformationen/ID1257/immofinanz-offeriert-retail-mietern-in-russland-temporaere-fx-bindung/

Diese Mietpreisreduktion beträgt – gemessen am aktuellen Rubelkurs rund ein Drittel. Unseren, auf den Zahlen des Halbjahresberichtes basierenden, Schätzungen zufolge, entgehen unserer Immofinanz dadurch auf Jahr gerechnet jedenfalls zwischen 25 und 50 Millionen Euro an Mieteinnahmen. Da sind, sollte dies nachhaltig sein, folgerichtige niedrigere Liegenschaftsbewertungen noch nicht einmal eingerechnet.

Was glaubt Herr Zehetner, was denn nach diesen drei Monaten passieren wird? Ein Ende der Russlandkrise ist nicht absehbar. Was wird also nach diesen drei Monaten passieren? Werden die Mieter wieder freudig zu ihren alten Mieten zurückkehren? Wir bezweifeln das. Wir befürchten vielmehr, dass alle Mieter künftig ein Druckmittel haben werden: „Entweder wir bleiben beim Rabatt oder wir ziehen aus“. Wir befürchten, dass man durch diesen Rabatt überhaupt erst ein Tor geöffnet hat, das man nicht mehr zu bekommt.

Was passiert mit anderen Mietern, mit denen man individuelle Vereinbarungen getroffen hat? Wurde denen das selbe angeboten, oder sogar mehr? Oder falls nicht, nun werden diese auch auf eine stärkere Reduktion pochen.

Wir halten diese Entscheidung für sehr gefährlich für kurzsichtig. Sieht man sich den aktuellen Kurs an, werden diese Befürchtungen von anderen Marktteilnehmern wohl auch geteilt.

Es ist natürlich klar, dass man sich in Russland mit einer Ausnahmesituation konfrontiert sieht. Eine Ausnahmesituation allerdings, man kann es nicht oft genug betonen, die vom Management selbst gewählt wurde. Niemand hat  Herrn Zehetner gezwungen, mitten in der größten Osteuropakrise seit Jahrzehnten durch einen nicht notwendigen Spin Off der BUWOG aus der Immofinanz ein hochspekulatives Russlandpapier zu machen. Das war eine Entscheidung des Managements. Eine falsche Entscheidung! Wir haben die Immofinanz unter anderem deswegen gekauft, weil das Risiko breit gestreut war: 50 Prozent West (inklusive der konservativen BUWOG), 50 Prozent Ost. Die BUWOG (mit einem Buchwert von 2,5 Milliarden Euro per 30.4.) ist nun weg, übrig bleibt eine ostlastige Immofinanz (über 70 Prozent) und Russland als mit Abstand größter Einzelmarkt (Buchwert 1,7 Milliarden Euro).

Ein Riesendrama mit Anlauf, das man nun mit Rabattspielereien riskiert, noch einmal zu vergrößern.